Grünen unterstützen Mentoringprogramm: Wie kommen Frauen in die Politik?

  • Veröffentlicht am: 2. August 2019 - 12:23
Frauen in der Wennigser Kommunalpolitik
Tür auf für mehr Frauen in der Wennigser Kommunalpolitik (von links): Mentorin Gun Wittrien, Mentee Katrin Schütt, Mentorin Angelika Schwarzer-Riemer und Gleichstellungsbeauftragte Hacer Kirli. Foto: Jennifer Krebs

Von Jennifer Krebs - HAZ 02.08.2019

Wennigsen. Nur zehn der 30 Ratsmitglieder in Wennigsen sind weiblich. Woran liegt das? „Die Erklärung, dass Frauen mit Job, Sorgearbeit und Haushalt noch immer häufiger als Männer mehrfach belastet sind und ihnen schlicht weniger Zeit für politisches Engagement bleibt, ist sicher richtig“, sagt Wennigsens Gleichstellungsbeauftragte Hacer Kirli. Katrin Schütt muss ihr recht geben. „Die Belastung neben Familie und Beruf macht die Entscheidung gewiss nicht leicht, sich auch noch politisch zu engagieren“, sagt die 29-Jährige aus Degersen. Aber: „Frauen machen die Hälfte unserer Gesellschaft aus. Da dürfen wir nicht so tun, als ob 30 Prozent genug wären“.

Schütt beendet gerade ihr zweites Studium als Haupt- und Realschullehrerin für Mathematik und Deutsch. Davor hat sie an der Uni Lüneburg ihren Bachelor in Kultur- und Politikwissenschaften erworben. Seit Kurzem wohnt sie in Degersen. Schon seit Längerem denke sie darüber nach, wie und ob sie den Weg in die Kommunalpolitik finden könnte, sagt Schütt. Deswegen habe sie sich dazu entschlossen, am landesweiten Mentoringprogramm „Frau. Macht. Demokratie“ teilzunehmen – „um mal reinzuschnuppern und mich auszuprobieren“.

Damit sich zukünftig mehr Frauen in politischen Gremien engagieren, hat das niedersächsische Sozialministerium dieses Mentoringprogramm gestartet. Dabei bekommen Frauen ohne kommunalpolitische Erfahrung als sogenannte Mentee einen erfahrenen Mentor oder eine Mentorin zugeordnet. Der oder die steht mit Gesprächen und der Teilnahme an politischen Veranstaltungen wie Fraktions- und Ratssitzungen helfend und beratend zur Seite.

Schütt hat Glück. Sie hat drei Mentorinnen, die sich um sie kümmern. Darauf seien Kolleginnen aus anderen Kommunen gerade ziemlich neidisch, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Kirli. Angelika Schwarzer-Riemer, Barbara Krüger und Gun Wittrien, die drei Grünen-Frauen im Wennigser Rat, teilen sich die Aufgabe und begleiten Schütt ein Jahr lang. Auftaktveranstaltung ist am 30. August in Hannover. Abschluss ist dann im Spätsommer 2020. Die nächste Kommunalwahl findet im Herbst 2021 statt.

Niedersachsenweit haben sich mehr als 400 Frauen als Mentee beworben. Schwarzer-Riemer freut sich, dass dieses Mal zumindest eine Teilnehmerin aus Wennigsen bei dem Mentoringprogramm dabei ist. Sie sagt aber auch, dass sie sich mehr Teilnehmerinnen gewünscht hätte. „Ohne Ehrenämter geht in den Kommunen nichts“, sagt sie. Für die Parteien werde es immer schwieriger, genug Kandidaten für die Kommunalwahl zu finden. Alles sei sehr unverbindlich geworden, niemand wolle sich mehr festlegen.

Für das Mentoringprogramm ist die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen. „In die Politik einsteigen kann man aber immer – auch ohne dieses Programm“, sagt Schwarzer-Riemer. Sie selbst engagiert sich kommunalpolitisch inzwischen seit mehr als 30 Jahren. Über die Frauenpolitik kam sie 1986 zu den Wennigser Grünen, wo sie damals ziemlich schnell den Vorsitz übernahm. Dem Rat gehört sie seit 2006 an.

Über eine Whatsapp-Gruppe sind Mentorinnen und Mentee vernetzt. Schütt darf jederzeit zu Sitzungen dazukommen. Fachausschüsse werden gemeinsam vorbereitet. Ein Gewinn für Schütt. „Jeder von uns ist in anderen Ausschüssen, das macht es interessant und unsere Mentee bekommt viele Einblicke“, sagt Wittrien. Sie ist stellvertretende Bürgermeisterin und Mitglied im Ausschuss für Soziales, Jugend und Integration. Krüger sitzt im Ausschuss für Bildung, Kinderbetreuung und Sport und Schwarzer-Riemer leitet aktuell den Ausschuss für Feuerschutz und öffentliche Ordnung, Mobilität und Digitales.

Wo ihre eigenen Schwerpunkte liegen werden, werde das Mentoringjahr zeigen, sagt Schütt. Sicherlich aber in der Umweltpolitik, denn nicht grundlos sei sie bei den Grünen gelandet. Auch für die soziale Gerechtigkeit würde sich Schütt gern einsetzen. Doch im G runde genommen, findet sie, kommt es eigentlich nur darauf an, dass man sich überhaupt engagiert – egal ob politisch, sozial oder gesellschaftlich.