Antrag in den Rat am 27.06.2019

Ergänzung der Tagesordnung: Antrag in den Rat am 27.06.2019

Der Rat möge beschließen:

Plastikarme Gemeinde Wennigsen

1) Vermeidung und Minimierung von Plastik in der Gemeindeverwaltung von Wennigsen

Die Gemeindeverwaltung wird gebeten, sich für die Schaffung einer plastikarmen Kommune einzusetzen. Damit übernimmt die Gemeinde eine Vorbildfunktion. Im Zuge einer Nachhaltigkeitsstrategie wird die Gemeinde Wennigsen mit ihren Liegenschaften:

a) auf vermeidbare Kunststoffprodukte durch nachhaltiges Beschaffungswesen verzichten und durch plastikfreie Alternativen (sofern vorhanden) ersetzen;

b) bei Neuanschaffungen die plastikfreie Alternative (sofern vorhanden) erwerben;

c) auf Kunststoffprodukte, die für den einmaligen Gebrauch bestimmt sind, verzichten und

d) bei Gemeindeveranstaltungen auf Plastikprodukte , insbesondere Einwegprodukte verzichten;

e) durch Informationen eine Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung bewirken.

Die Gemeinde Wennigsen entwickelt, möglichst in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren (z.B. Schulen, Kindergärten, NABU, WIG, Vereine...), Strategien zur Vermeidung und Minimierung von Plastik im Gemeindegebiet ( Beispiel Stadt Hannover: Schützenfest) und informiert Gewerbebetriebe, Vereine, Privathaushalte und ggf. weitere Zielgruppen im Gemeindegebiet über schädliche Folgen von Plastik und Plastikmüll für Natur, Umwelt und Menschen.

Die Gemeinde Wennigsen unterstützt Bestrebungen der EU-Kommission, der Bundesund Landesregierung zur Vermeidung von Plastikmüll für eine nachhaltige und ökologische Umsetzung entsprechender Nachhaltigkeitsziele und wird den Rat bzw. den Fachausschuss über entsprechende Aktivitäten informieren.

Begründung:

- Mit 12,6 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land so viel Plastik wie Deutschland – Tendenz steigend! 3,6 Milliarden Plastiktüten werden in Deutschland jährlich verbraucht – mit einer Gebrauchsdauer von gerade einmal 25 Minuten! 25 Minuten Nutzung zu 10-20 Jahren Zersetzung.

- Die katastrophalen Auswirkungen auf die Weltmeere wurden im Frühjahr 2019 öffentlich mit der Europaabgeordneten Gesine Meißner im Grünen Dialog dargestellt und erörtert.

Sachverhalt

Zersetzung von Kunststoffen

Die großen Stärken von Kunststoffen wie Stabilität, Persistenz und Inertie bilden für die Ökosysteme, die mit Plastikabfällen belastet werden, zugleich die größten Gefahren. Diese Faktoren behindern die Zersetzung bzw. den Abbau der Polymere und ebnen so den Weg für eine dauerhafte Einflussnahme von Kunststoffen auf die Umwelt. So kann laut Umweltbundesamt die Zersetzungszeit der Kunststoffe in Abhängigkeit von verschiedenen Umweltfaktoren bis zu 450 Jahre betragen, wobei selbst dann nicht von einem vollständigen Abbau gesprochen werden kann (umweltbundesamt.de).

Produkt Abbauzeit Produkt Abbauzeit

Angelschnur          600 Jahre

Wegwerfwindel      450 Jahre

Plastikflasche       450 Jahre

Aludose               200 Jahre

Getränkedose      200 Jahre

Styroporbecher      50 Jahre

Schaumstoffboje    50 Jahre

Plastiktüte        10-20 Jahre

Zigarettenkippen   1-5 Jahre

Wollsocken          1-5 Jahre

Sperrholz             1-3 Jahre

Baumwollshirt      2-5 Monate

Milchkarton            3 Monate

Pappkarton            2 Monate

Apfelgehäuse         2 Monate

Zeitung                  6 Wochen

– Die Kunststoffabfallmenge hat sich in Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2015 auf ca. 5,92 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppelt!

– Über sechs Millionen Tonnen Müll – das meiste davon Plastik – landet jedes Jahr im Meer! Gigantische Müllstrudel in den Weltmeeren von denen bereits einer viermal größer als Deutschland ist, haben sich gebildet;

– Bestandteile von Mikroplastik wirken hormonell auf Mensch und Tier – die Folgen sind noch nicht absehbar;

– Fische und Vögel verenden durch Plastik in ihren Mägen und Verwicklungen.

Diese und weitere, hier nicht genannten Fakten, verdeutlichen die Dimension des Kunststoff-/Plastikproblems.

Auch wenn der Rat der Gemeinde Wennigsen das Plastikproblem nicht allein lösen kann, haben wir alle doch die Verantwortung einen Beitrag zu leisten, den Verbrauch von unnötigem Plastik auf ein Mindestmaß zu reduzieren. „Global denken, lokal handeln“ von der Agenda 21 bzw. Agenda 2030 kann als Handlungsleitlinie angewandt werden.

Für die Fraktion

Norbert Bohnenstengel

Barbara Krüger

Angelika Schwarzer-Riemer

Gun Wittrien