Öffentliche Fraktionssitzung: Wennigsen - Natürlich natürlich!

  • Veröffentlicht am: 19. Oktober 2017 - 15:53
Biene-Blüte
Photo: Wolfgang Dirscherl pixelio.de

In einer öffentlichen Fraktionssitzung beschäftigten sich die Grünen mit einer wissenschaftlichen Studie über das aktuelle Insektensterben in Deutschland. Fachliche Unterstützung holten sich die Grünen bei Gerhard Krick, Vorsitzender des NABU in Wennigsen.

„Beim Verschwinden von 75% aller Insekten aus der Luft müssen die Alarmglocken läuten! Wenn der Trend beim Insektenschwund sich fortsetzt, sterben viele Arten in weniger als zehn Jahren aus. Die Folgen wären eine ökologische Katastrophe, die nicht zuletzt massive wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion mit sich bringen würde “, resümiert Angelika Schwarzer-Riemer, Fraktionssprecherin.

In der Studie werden u.a. als Ursachen benannt:

Der Einsatz von Pestiziden, insb. Neonicotinoide (Beizmittel für Getreide) Besonders gefährlich für Bienen

  • - Glyphosat (Totalherbizid zur Beseitigung von Unkräutern oder Vorfruchtrückständen) Ursache für den Verlust von Blühpflanzen im Acker
  • - Monokulturen in der Landwirtschaft
  • - Der Rückgang von wichtigen Rand- und Vernetzungsstrukturen an Wegeseitenräumen und Ackerrändern. … auch in der Gemeinde Wennigsen!

Der konsequente Schutz von vorhandenen Lebensräumen und die Wiederherstellung und Schaffung neuer Lebensräume als Biotopverbund stehen für die Grünen im Vordergrund. Die Wiederentdeckung von Wegrainen und das Anlegen von insekten- und bienenfreundlichen Blühstreifen in der Gemeinde Wennigsen steht als ein erster Ansatz auf der GRÜNEN Agenda und wird im Dezember auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bau, Planung und Umwelt stehen.

Die aktuellen wissenschaftlichen Auswertungen einer in 27 Jahren gesammelten Datenmenge sind erschreckend! „Beim Verschwinden von 75 % aller Insekten aus der Luft müssen die Alarmglocken läuten!“ Die Auswirkungen sind dramatisch und absehbar.

"In Städten und Gemeinden werden Pestizide eingesetzt, um Wege in Parks, Sport- und Spielplätze, Grünanlagen oder  Straßenränder frei von unerwünschten Kräutern und Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen. Viele der Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen oder eine hormonelle Wirkung zu haben. Auf öffentlichen Flächen wie  beispielsweise Sport- und Spielplätzen können die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit den Bürger*innen kommen. Insbesondere für Kinder und Schwangere ist das eine Gefahr. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind den Stoffen schutzlos ausgeliefert.

Für viele Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum sind Pestizide ein Verhängnis. Denn nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten werden beseitigt, sondern auch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse.  Entweder töten und schädigen Pestizide Insekten oder Wildkräuter direkt oder sie dezimieren ihren Lebensraum und ihre Nahrung. Von den fast 600 Wildbienen-Arten in Deutschland steht rund die Hälfte auf der Roten Liste.  Dabei sind blütenbesuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt und sichern landwirtschaftliche Erträge und damit unsere Ernährung.  Laut Welternährungsorganisation sind weltweit rund zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen auf Bestäuber angewiesen. In Städten und Gemeinden sichern Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge den Kleingärtnern eine gute Obsternte und den Stadt-Imkern reichlich Honig.

Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der Artenvielfalt. Grund dafür ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Dort dominieren meist Monokulturen, die intensiv mit Pestiziden gespritzt werden. Hecken oder Blühflächen, als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten, Vögel und Säugetiere fehlen oft komplett. Über 40.000 Tonnen Pestizide belasten  jährlich in Deutschland die Umwelt,  Tendenz steigend. Das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie, den Verlust von Arten zu stoppen, kann mit dem aktuellen Pestizideinsatz nicht erreicht werden.

Siedlungsgebiete sind oft letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten, die in der Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr finden. Kommunen können hier Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen. Auch für die menschliche Gesundheit, die Lebensqualität und den Tourismus ist der Pestizidverzicht ein Gewinn. Bundesweit über 50 Städte sind bereits ganz oder teilweise pestizidfrei, einige von ihnen sogar schon seit über 20 Jahren. Die möglichen Maßnahmen sind vielfältig. So werden Flächen mit mehrjährigen Stauden bepflanzt, die Insekten ein ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen. Frühzeitiges Reinigen von Verkehrsflächen und planerische Weitsicht bei der Bebauung sind wichtige Elemente, um einen zu starken Bewuchs zu verhindern. Alternativen zur Chemiekeule sind vielfältige mechanische und thermische Verfahren. Besonders wichtig ist dabei immer die Kommunikation mit den Bürger*innen, um die notwendige Akzeptanz zu schaffen." (Quelle: pestzidfreie Kommune_Beschlussvorlage-BUND https://www.nabu.de/news/2017/10/23291.html )